20 Seconds

Disziplin, Askese, Vorsätze… schon jetzt habe ich die Nase voll von all den stoischen Saubermännern, denen das Wort „Selbstkasteiung“ auf die Stirn geschrieben steht. Tief durchatmen, bitte! Und jetzt ganz schnell frischen Wind durch das Hirn pusten lassen, damit auch die hinterletzte Negativkoppelung aufgerissen wird! Nicht in allmählichen Verhaltensänderungen und winzigen Trippelschrittchen sollten wir uns eingeschliffener Muster entledigen, sondern mit Siebenmeilenstiefeln und radikalen Manifesten! Time for Change! „Ich hab keine Lust, meine Pflicht zu erfüllen, für dich nicht, für mich nicht, ich hab keine Pflicht…“ Na gut, die Zeiten des pubertären Verweigerungswahns sind wohl vorbei. Ninas Aufschrei sollten wir aber dennoch beherzigen und endlich das heiß ersehnte hedonistische Zeitalter ausrufen! „Pleasure!“ With a capital P, please! Selbstentsagung adieu, Welcome to the Pleasure Dome!

 

Welcome to the Pleasure Dome!

 

Es soll ja angeblich immer noch Männer geben, denen unser Vergnügen egal ist, die so selbstbezogenen Sex haben wie ein Nagetierchen im Hamsterrad. Dieser in meinem Leben Gottlob ausgestorbenen Spezies, sei an dieser Stelle gesagt: Mit ein bisschen Vergnügen, lassen sich auch die schreckhaftesten Mädels rügen! O.k., den Reim hab’ ich jetzt mal schnell zurechtgezimmert, an des Pudels Kern ändert sich deshalb noch lange nichts! Ja, ganz recht!  Pain without pleasure ist für mich undenkbar! Wer mit dem Flogger lockt, muss auch Vergnügen spenden! Und worin besteht wohl der Hochgenuss par excellence, das Krönungsdessert aller haptischen Leckerschmecker? Bingo! Genau in diesem einen Augenblick, in dem unser orbifrontaler Kortex ein Blackout hat, in dem wir uns nicht mehr unter Kontrolle haben, von den Griechen deliziös Orgasmus genannt!

 

Alles strebt zum O

 

Auch wenn uns Myriaden von Frauenzeitschriften immer wieder einzutrichtern versuchen, dass Sex auch ohne gut sein kann und ohnehin ein Drittel aller Frauen selten oder nie den Höhepunkt erreicht, so ist es doch – Aristoteles möge mir verzeihen! – der O, wonach alles strebt! Schließlich ist er das einzig real existierende Wundermittel gegen Migräne, Erkältungen und Über-Ich. Nur im erregten Zustand, im Gipfelsturm sind das Schmerzempfinden und die Schmerzerkennung deutlich verringert und zugleich unser verdammt konservatives Großhirn und sein erhobener Zeigefinger kurzzeitig ausgeschaltet. Endlich sind wir frei von Normen, Maßregelungen und bereit für Reize, die uns im belanglosen Normalzustand den Schrecken in die Knochen fahren lassen. Endlich kommen unser limbisches System und sein unterjochter Hypothalamus auf seine Kosten! Ein Biss, ein Hieb, wölfisches Geheul, ein Glasdildo und die Story von der Klosterschülerin – wir weben unser eigenes Reiz-Reaktions-Schema, wenn wir strotzen vor Lust und Begierde!

 

Oh, ouiiii!

 

Endlich sind wir vollkommen losgelöst! Wenn uns das Blut in den Uterus strömt und sämtliche Nervenenden und Muskeln energiedurchflutet sind, befinden wir uns im Ausnahmezustand! Alles ist möglich! Und man sage mir nicht, dass visuelle Stimuli an der weiblichen Libido abprallen wie Regentropfen an einer Barbour-Jacke! Meine kleine, aber feine Porn-Selection kickt meine Klitoris mindestens so sehr wie die gesammelten Werke des Marquis. Die Pupillen weiten sich und saugen Bilderfetzen auf, die sich in meinen Meningen in funkelnde, durch die Nervenbahnen zischende Kristalle verwandeln. Der Atem beschleunigt sich, während sich die glitzernden Splitter auf einen blauen Schlund zu bewegen, der sich verengt, bis mein Uterus rhythmisch kontrahierend die letzten Überbleibsel der Ratio sprengt.

 

Die Geschichte des O

 

Doch wie lange dauert eigentlich dieser Rausch? Dass die Lebensdauer nichts über die Qualität aussagt, wissen wir von der Eintagsfliege und dem Club 27. Nachdem der weibliche Orgasmus lange Zeit geleugnet wurde, da er keinerlei biologische Funktion besitzt, kommen wir nun endlich in den epochalen Genuss, Vielfalt, Dauer und Intensität unserer Orgasmen ausloten und auskosten zu können. Wer sich erst einmal in die Finessen des K-V-A-Orgasmus vertieft hat, der gewinnt sogar die Kontrolle über den Kontrollverlust. Ganz langsam kommen lassen! Klitoral, vaginal und jetzt noch anal… Ab ins Orgasticosmicum! Und wie lange dürfen wir dort verweilen? Zwanzig Sekunden im Durchschnitt! Zwanzig Sekunden, in denen sich die Welt anders dreht, kein Countdown läuft und kein Pendel schwingt! Zwanzig Sekunden Höhenflug, Ekstase, Nervenkitzel!

 

 

Forget about Pheromones!

 

Was nehmen wir dafür nicht alles in Kauf? Langweiler, Quälgeister, Stubenhocker… Diese zwanzig Sekunden sind es wert! Das Problem ist nur, dass wir uns nicht jederzeit und everywhere in ekstatische Highflyer verwandeln können. Ein Orgasmus ist nicht öffentlichkeitstauglich, zumindest nicht im kunstfreien Alltagsraum! Beim Bäcker ein kleiner Kick oder im Rundfunkmuseum in Königswusterhausen? No way! Ein Substitut für hormonelle Kicks gibt’s dann aber doch! Schließlich gibt es eine zwar nicht selbst produzierte, aber fast so berauschende Substanz, die uns pfeilgenau in den Hypothalamus trifft. Parfum! Spätestens seit Patrick Süßkinds Bestseller wissen wir um die berauschende Macht des Duftes. Was natürlich nicht bedeutet, dass wir alabasterne Jungfrauen mit tizianrotem Haar destillieren müssen. Manchmal genügen sogar ein paar Moleküle des Geliebten auf einem zerknautschten Federkissen, die wir begierig schnüffeln, um ein köstliches Nachbeben zu erzielen. Will man sich nicht auf olfaktorische Nebenprodukte verlassen, wählt man am besten ganz gezielt einen Duft, der unseren Bulbus Olfactorius zu klaren Ansagen an unser sexuelles Erregungszentrum veranlasst. Und forget about Pheromones et al.! Ein bisschen komplexer sind wir schon gestrickt, als dass uns ein paar hastig aufgesprühte Pheromene direkt in den siebten Himmel katapultieren würden.

 

20 Seconds

 

Ein wahrhaft neuronales Feuerwerk zu entzünden, bedarf schon ganz besonderer pyrotechnischer Künste! Wenn uns Düfte aus dem Orbit fliegen lassen, müssen sie von auserlesener Konsistenz sein. WC-Enten und Spüli sorgen dann doch eher für Bodenhaftung und Optimierung hausfraulicher Qualitäten. Schnuppern wir jedoch an frischem Fougère oder auch Bourbon-Vanille, bewegt sich was in unseren Wohlfühlzellen. Je raffinierter, desto stimulierender! Schließlich sind wir keine Fastfood-Freaks. Nein, unsere Riechzellen sind so differenziert wie unsere Geschmacksknospen. Die Finessen der Haute Cuisine erschließen sich auch nicht auf den ersten Biss und Gleiches gilt auch für Düfte. Man muss sein Riechorgan trainieren, entwickeln, vorbereiten für Reize, die über den Geruch von Niveacreme hinausgehen. Ist das Näschen erst bereit, dürfen wir Flakons öffnen, die ihr Versprechen halten. „20 Seconds“, das Parfum der leidenschaftlichen Berliner Jungparfumeure PassowDelaye bringt es auf den Punkt. Allein der Name evoziert unseren Lieblingszustand und dann die Ingredienzien! Bergamotte, Mandarine, Minze, Galbanum, Iris, Koriander… Der Sinnestaumel wird noch verstärkt durch betörenden Lavendel und grünes Moos. Warmes Sandelholz, samtene Vanille und Gaiacwood – who knows what that is! Ein kleines Mysterium muss bleiben! – hüllen uns in einen zarten Duftschleier, für den Jack Nicholson sogar seinen heiß geliebten Blue Velvet  eintauschen würde.

One more sniff!

One more sniff und schon ist er da, der Kick, der uns outta space and outta time kickt!

Ganz ohne Jack!

Get your kick: PassowDelaye/20Seconds

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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