Blister in a black box – Troubleshooters, ahoi!

Subtropisch. Blattlausmutanten und Schlingpflanzen, die sich um Latte Macchiato-Gläser ranken. Ein irres Rotkehlchen, das sich irgendwann nach dem dritten Sex, Drugs, just Riesling in Nico verwandelt:

When we swing, We hang past right or wrong

In Berlin sprießen Garagen-Bands wie Pilze aus dem Boden, haben allerdings selten deren psychedelische Wirkung. Im besten Falle heißt es Showtime auf Alex. 15 seconds of glory! That’s it! Dann gibt’s da jedoch noch – whoever sei Dank! – Sufferer, die Grenzgänger, die am Leben und am Prenzl’berg um ein Haar vorbeigeschrammt sind, sich in eine wattierte Blackbox zurückziehen, das Leben unter die Haut stechen und der Geliebten Küsse und Sounds aus der Seele saugen. Heiko Hesh Schramm ist einer von denen, die irgendwann einmal den Mississippi entlanggeschwommen sind, nachdem Bob Dylan ihnen auch keinen Trost im Prison geschenkt hat und das Leben und die Liebe Eitelkeiten und Blender-Fender-Riffs aus Herz und Hirn gefegt haben. Der Pink Moon, dieser Mond, der nichts Gutes verheißt, ist auch über Hesh aufgegangen. Wer die Stories seiner Tattoos kennt, weiß, dass ihm so einiges unter die Haut ging und forever and eternally in seinen Leib geschrieben sein wird. HHS, dieser schräge Bluesman, der das Haus nicht ohne Hut verlässt und James Joyce in die 60er gebeamt hat, sitzt heulend vor dem Mond und bastelt sich ein Lullaby, das ihm Fran-Nico – Hush, Hush, Baby! – im Raum ohne Resonanz in die Muschel haucht.

Trouble soon be over!

Man glaubt’s ihr fast, wenn sie ihre hypnotisierenden Akkorde zwitschert, ohne den Keep Calm-Song auch nur mit dem geringsten Schnickschnack zu überfrachten. Uhuh, Fran sitzt auch mal gerne bei den Kills im Auto und Hesh packt auch noch die Stereo Total-Orgel in den Kofferraum. Dennoch wirken die Arrangements so trocken, ohne Reverb, als hätte es das Wort Hall nie gegeben. Im total toten Raum ohne jegliche Akustik finden sich auch die anderen Songs der am 8. Juni erscheinenden ep. Bässe schleichen sich ab und zu mal über den gedämmten Untergrund. Die Drums, wenn überhaupt, sind Maschinen, die Hesh die Oberhand gewinnen lässt über diese Man’s World, der er nichts mehr zu beweisen braucht. Da steht er nun, der Sailor, und will sich gar nicht selbst retten, weggespült von den Ufern der Spree und den Cry me a river- Möchtegernlern. Ab und zu ruft er noch ein „Man up!“ herüber, ein Echo, denn der ehemalige Bassist Chris Whitleys wirft in seiner neuen ep jeden Ballast über Bord. Da gibt’s keine Seemannskiste mehr, in der er selbstvergessen kramt. Lieber noch lässt er die frühen Go-Betweens und Violent Femmes ans Ruder.

Hesh, ich bin jetzt streng!

Wer jetzt allerdings Retro-Sound at its worst befürchtet – Sorry, Flux Radio! Aber Alabama Shakes, Tor Miller und We are Twin sägen jeden Morgen genug an meinen Nerven! – kann sich getrost entspannen! Hesh und Fran wärmen weder die 80ies auf noch reihen sie sich in die endlose Zahl der 60ies-Epigonen ein. Allein die Stimmen verbieten jeden Vergleich. Hesh, ich bin jetzt streng! Black Chanel on my nose! HHS raucht, schmeichelt, kniet in seinen Songs, posiert jedoch nie. C’est simplement la vie, das in diesen Tönen durchklingt, die er mit Capote in thin red lines aufs Papier pinselt. Fran steht dabei, lässt sich die Füße streicheln, die waidwunden Füße, die sie in these boots made for walkin’ durch Dresdner Scheunen wirbelt. Das ist auch gut so! Un petit peu… La vie en rose… und dann kommt dieser Clic-Clac-trockene, süß-melancholisch-desillusionierte Sound heraus, der so echt klingt wie der Kuss, den Hesh seiner Fran auf den Kirschmund drückt.

 

Get your kick:Heiko Hesh Schramm 

https://heikoheshschramm.bandcamp.com/

 

http://www.heikoheshschramm.com/

 

My personal favorite: Inner City Lights

 

 

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