Champagne, Please!

Dom Pérignon, Taittinger, Ruinart und natürlich den sämtliche Herzen (Hetero, Bi, whatever) höher schlagen lassenden Herzensbrecher Billecart-Salmon rosé! Wer kennt nicht die erlesenen Gaumenprickler, die sich französische Mönche erdacht und wohl auch ausgiebig verkostet haben? Önologen tummeln sich auf jeder mittelmäßigen Geburtstagssause wie Ketakaviar-Häppchen auf Silbertabletten. Der Parker wird zitiert wie einstmals Schillers Glocke oder der Zauberlehrling. Man scheut sich auch nicht, seinen snobistischen Gelüsten hingebungsvoll zu frönen und bei Taillevent oder im Horvarth angeblich verkorkten Wein zu monieren. Streberhaft werden Aromen aufgelistet, als handle es sich um die Einkaufsliste für das nächste Wochenende. Auf das eigene feine Näschen verlässt sich kaum mehr jemand. Wer schnuppert denn auch noch an frischem Humus, frisch aus dem Boden sprießenden Trompetenpilzen und herben Brombeeren? Mmmh, dieser Duft von süß-säuerlichen Heidelbeeren! Pardon, Geschmack und Aroma wurden meinen Lieblingsbeeren in jahrzehntelangem Treibhaus-Dasein gründlich weggezüchtet! Die dunklen, nussig-harzigen Schwarzbeeren, die ich in mein Körbchen legte, als ich als Kind durch die Wälder streifte, haben mit den amerikanischen Kulturheidelbeeren so wenig zu tun wie Krug mit Rotkäppchen und Jules Mumm!

Deshalb mein Appell: Riecht, schmeckt, trinkt und verlasst euch dabei auf eure eigenen Sinne und Erinnerungen!

 

Passion „Natursekt“

 

Selbstverständlich, naturellement – da gibt es nicht den geringsten Zweifel – gehöre ich der Champagner-Fraktion an. Whiskey-Verkostungen? Who cares! Bourgogne? Ouaaais… bei Jean-Michel Roux vielleicht. Und Gin? Ist er auch noch so sehr à la mode, mir kann er gestohlen bleiben. Neben meiner Passion Champagne habe ich jedoch noch eine zweite Leidenschaft: Natursekt! Nicht immer, in Maßen, zu besonderen Gelegenheiten. Dann aber delektiere ich mich an diesem köstlichen Gebräu wie germanische Göttinnen an honigsüßem Met. Sich direkt an der Quelle zu laben, hat eine berauschende Wirkung. Ich fühle mich auserwählt für besondere, nur für mich erzeugte Genüsse. Eine Cuvée prestige, die sich nur in meinen lechzenden Schlund ergießt!

 

Cuvée Spéciale

 

Ganz speziell wird der Genuss von Natursekt nicht nur durch den intimen Akt des Trinkens einer Körperflüssigkeit, sondern durch den kulinarischen Genuss. Ohne Scherz! Dass Sperma reich an Aromen ist (der klassisch nussige Ananasgeschmack ist Gottlob nur eines davon!), wissen wir alle. Natursekt, Urin, Pisse, Pipi, Goldsaft kitzelt jedoch nicht nur unsere Geschmacksknospen, sondern entführt uns auf eine geschmackliche Entdeckungsreise. Unsere teils barbarisch verkümmerten Papillen öffnen sich, zunächst irritiert vielleicht, dann lustvoll neugierig. Die Geschmacksnuancen sind nicht nur abhängig von Jahrgang (Mmmh, Vintage, c’est bon!) und Lebensart, sondern auch von hormonellen Faktoren. Je geiler, desto intensiver der Geschmack! Die Farbpalette reicht von hellem Riesling bis bernsteinfarbenem Sauternes. Das Zusammenspiel der Aromen ist betörend: Honig, Aprikose, Mirabelle und Lakritz, Bittermandel und Crème Chantilly à la vanille!

 

Kellermeister – Trau, schau, wem!

Man muss sich natürlich erst einmal trauen und die eigene Scheu überwinden, um in den Genuss dieser Köstlichkeiten zu kommen und diese auch als solche zu erkennen. Seinen Natursekt-Kellermeister muss man sich freilich sorgfältig auswählen. Man gießt sich ja schließlich nicht jeden x-beliebigen Tropfen hinter die Binde! Odeur und Bukett müssen bei der Verköstigung schon stimmen. Also: Den Parker gibt es zwar bei Passion Natursekt noch nicht, aber ein tiefer Blick in die wasserblauen Augen und Vertrautheit können nicht schaden.

 

Disziplin – Nunc est bibendum!

 

Manchmal muss man zu seinem Glück auch gezwungen werden. „Und jetzt schön trinken! Den Mund ganz weit aufmachen!“ Klare Ansagen und disziplinarische Maßnahmen sind sogar ein zusätzlicher Reiz. Schließlich überwindet man eine in unserem Kulturkreis stark verankerte Abneigung. Kniet man vor dem Kellermeister und trinkt brav den dargebotenen Trunk, ermutigt ein sanftes Streicheln über das Köpfchen und ein zärtlich ausgesprochenes: „Braves Mädchen!“ zu weiteren Experimenten. Spannend ist es auch, den eigenen Saft ganz vorsichtig im Stehen in ein Kristallglas abzufüllen, wobei natürlich kein Tröpfchen danebengehen darf. Der Fantasie bei Züchtigungsmaßnahmen für Kleckermäuse sind keine Grenzen gesetzt!

 

Santé!

 

Und zu guter Letzt für alle Zweifler und Zweiflerinnen das ultimative Argument: Pipi ist gut für die Gesundheit! In der Naturheilkunde wird Urin als Wundermittel voller Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente gefeiert. Der erste Strahl am morgen soll besonders energetisierend sein und zur Stärkung des Immunsystems beitragen. Mit handfesten Belegen für die Wirksamkeit einer Urintherapie kann ich allerdings nicht auftrumpfen. Dass Urin in der traditionellen Heilkunde Indiens und Chinas eine wichtige Rolle spielt, ist dennoch bemerkenswert.

Worst Case: Placebo-Effekt!

Best Case: Ein wunderbar euphorisierender Cocktail aus Endorphinen, Prolaktin, Oxytocin und Adrenalin!

 

Santè!

 

Get it: Herzensbrecher: Billecart-Salmon

 

 

 

 

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