I Wanna Be Your Dog

Berlin. Motzstr. Das Schnitzel im „Sissi“ und der Kaiserschmarrn mit Zwetschgenrösti waren köstlich. Meine Papillen flattern immer noch vor Erregung. Kulinarische Genüsse wirken sich reflexartig auf meine Libido aus. Mit geweiteten Augen und fleißig Saft produzierenden Speicheldrüsen praktiziere ich das, was die Franzosen so trefflich als „lèche-vitrines“, Schaufensterlecken, bezeichnen. Mein lüsternes Auge bleibt an einem schwarzen Lederoutfit mit Hundemaske hängen. Abscheu und Faszination für das Unbekannte vermengen sich zu einem Gefühl, das mich widerstandslos in den Laden treibt. Ich grüße freundlich, mit gesenktem Kopf – devote Haltung ist ein Muss- den Verkäufer, der sich mit einem Kunden kenntnisreich über Vor-und Nachteile eines Restraints austauscht, und nähere mich der Hundemaske, die eine deutsche Dogge in die Flucht schlagen würde. Meine Finger streichen über die Schnauze, Ekel lässt mich leicht erschaudern und zugleich geraten meine Körperflüssigkeiten in Wallung. Nein, ich sehe mich nicht in dieser derben Uniform mit einer Schüssel Natursekt auf den verspritzten Kacheln.

Animalisch, lüstern und geil

Das Universum reizt mich jedoch. Animalisch, frei von jeder Ratio, bedenkenlos lüstern und geil, bin ich eine Hündin, deren Duft die edelsten Rüden anlockt. Meine Atmung stockt, ich beginne leicht zu hecheln und stürze unter den amüsierten Blicken der beiden Herren ins Freie. Zuhause, nach einem kurzen Akt der Erlösung, setze ich mich an den Laptop und recherchiere Masken. Lächerlich! Billig! Bullshit! Erst bei Fleetilya halte ich inne, angezogen von Ästhetik und Handwerkskunst. Eine reinrassige Dobermannhündin starrt mir entgegen, schnappt sich mein wehrloses Fleisch und verwandelt mich in ein folgsames Puppy, das mein Herr (sicherlich ohne -chen) an der Leine führt. Wie es sich für das edle Tier gebührt, ist die Maske aus feinstem Sattlerleder, Verarbeitung und Design mit französischer Leder-Couture à la Hermès durchaus vergleichbar. Noble Messingösen und schmale Riemen beweisen nicht nur den Sinn für Praktisches des russischen in London lebenden Designers, sondern auch Gestaltungskraft und Formvollendung. Ein Klick und Schnauze und Öhrchen sind mein! 315 Pfund eine sicherlich lohnenswerte Investition in mein Leben als Rassehündin!

Mein Leben als Rassehündin

Als ich das Paket öffne, strömt mir bereits der charakteristische Duft feinster Lederwaren entgegen. Ich lasse meine Fingerkuppen über die glatte Oberfläche gleiten, lausche dem Zusammenspiel von Leder und Metall und streife mir das Kopfset endlich über das Haar. Die Haare streng zum Dutt, fordere ich mich selbst auf und spanne dann den Riemen über das hochgesteckte Haar, bis die Ohren steif und stramm nach oben stehen. Ich gehe auf die Knie und verwandle mich Cronenbergs Fliege gleich in eine schmale, muskulöse Dobermann-Hündin, die brav auf die Schritte im Flur wartet. Meine Blicke ruhen auf seinen polierten Lederschuhen, die Schnauze reibt an seiner Hose und schon werde ich bestraft mit der geflochtenen Gerte und zu unbedingtem Gehorsam gezwungen.

„Now I’m ready to close my eyes And now I’m ready to close my mind…And now I wanna be your dog“, klingt es in meinen gespitzten Ohren, bis schließlich auch Iggys Stimme aus meinen hündischen Meningen verschwindet.

Get the Look: Fleet Ilya

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