Instabitionism

Höchste Zeit, eine Bresche für die Liebhaber zweier erregender -ismen zu schlagen! Exhibitionismus ist ein Wort, das mir so köstlich auf der Zunge zergeht wie perfekt gratinierte Crème brûlée. Bevor jetzt ein Aufschrei der Entrüstung durch das Netz dringt, sei gleich an dieser Stelle klargestellt: Nein, mit den üblen Typen in grauen Trenchcoats habe ich nichts am Hut. Selbstverständlich spielt sich alles in einem sicheren Rahmen und im gegenseitigen Einverständnis ab und für die Grauzonen (gelupftes Röckchen mit Blick auf eine frisch rasierte Muschi unter dem Bistrotisch) fordere ich natürlich höchstes Fingerspitzengefühl ein.

No Risk, No Fun

Der Reiz des Sich-Entblößens wird leider selten in seinem offenbaren Erregungspotenzial erkannt. Noch immer ist er in erster Linie mit dem Ruch des rechtlich Anstößigen oder der krankhaften Abweichung behaftet. Meine Lust an der Entblößung habe ich durchaus unter Kontrolle. Nun ja, es gab sicherlich die ein oder andere Situation, in der das Risiko, ertappt zu werden, nicht gerade gering war. In einer Tiefgarage in Wilmersdorf? Im Kino in der letzten Reihe? In einer Bucht auf Mallorca? Im Aufzug bis zum zweiten Stock und… Ganz unverfänglich waren die Locations meiner Public Pleasure-Unternehmungen nicht, allerdings war ich immer so weit bei Trost, dass ich mich lediglich auf den Sportmatten in einer Turnhalle von einem übergewichtigen Hausmeister erwischen ließ. Seine Bestzeit beim Sprinten war mir von vornherein bewusst, also hatte ich auch da nichts zu befürchten. Selbst wenn! Ohne Chuzpe und Courage macht das Ganze keinen Spaß! Das Adrenalin muss meine Adern durchströmen, das Blut in meinem Unterleib zusammenfließen, mein Körper so in zittrige Erregung versetzt werden, dass mich die geringste Berührung erbeben lässt. Wer jetzt glaubt, dass meine anarchische Ader mich zur Provokation treibt, dem sei sofort ein entschiedenes Nein entgegengeschmettert. Selbst im puritanischen Amerika wurde das sogenannte Mooning inzwischen als Ausdruck der öffentlichen Meinungsäußerung, ja gar als Sprache (ein wunderbares Feld für Linguisten) gerichtlich anerkannt! Kiss my ass, baby! Verstanden? An der Provokationslust kann es wohl nicht liegen.

Der Gedanke, beobachtet zu werden, reizt mich wahrscheinlich deshalb so sehr, weil ich provoziere, überrasche, Routinen durchbreche. Und was ist schon Schlimmes daran, wenn ein paar Autofahrer einen genüsslichen Motorhauben-Fick im Vorbeifahren erhaschen? Von grölenden Ballermann-Touris fühlt sich mein Auge jedenfalls mehr beleidigt als von reizvoll verhüllten, wenn auch in Aktion befindlichen primären Geschlechtsmerkmalen. Da dies wohl aber nicht die vorherrschende Meinung ist, tut man gut daran, als Mensch mit Zeigelust nach Zufluchten außerhalb der brutal-moralischen Wirklichkeit zu suchen.

Long Live Instabitionism!

Und was liegt näher als das Internet, ganz speziell Instagram? Mein Abbild wird durch kundige Hashtags in eine Welt hinausgebeamt, deren Blicke sich auf mich richten, auf meine Augen, meine Füße, meine Brüste… stopp! Zensur! Keine Brustwarzen! Die amerikanischen Moralhüter verbieten die Darstellung von Brüsten und Geschlechtsorganen, knackige Pos natürlich ausgenommen, wie wir jetzt wissen. Mooning ist erlaubt! Was für eine Herausforderung! Der Gedanke, kleine Reglementierungen zu umgehen, ist mindestens so reizvoll wie ganz besondere Örtlichkeiten und Perspektiven ausfindig zu machen. Eine Nachricht von Instagram, man habe gegen die Richtlinien der Community verstoßen, erzwingt geradezu einen Kreativitätsschub. Hier ein Schnitt, da eine Verfremdung, hier ein Schatten, dort ein Farbspiel und schon sind wir wieder sichtbar.

Freedom, Guys! Long live Instabitionism!

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