Meister Proper

Ein wohliger Schauer lief mir über den Rücken, sobald er auf dem Bildschirm erschien. Es lag wohl weniger daran, dass er mit einem Fingerschnippen die Bude blitzblank zaubern konnte. Das interessierte mich damals wenig. Nein, es war etwas anderes, das mich faszinierte und eine unerklärliche Erregung auslöste. Meister Proper erschien aus dem Nichts wie ein orientalischer Dschinn, ein Geist aus Aladdins Wunderlampe und verhieß die Erfüllung geheimer Sehnsuchtswünsche. Die Tatsache, dass er gletscherblaue Augen hatte und mit seinen Muskeln das blütenweißes Shirt fast zum Platzen brachte, trug zu seiner fatalen Wirkung genauso bei wie sein siegessicheres Lächeln. Der Ohrring verlieh ihm etwas Verwegenes, das sein Mr. Clean-Image ein wenig dirty machte. Vielleicht war er ja in Wirklichkeit ein Pirat, der gelangweilte Hausfrauen zu aufregenden Abenteuern in der Südsee verleiten oder an eine Horde wild gewordener Sarazenen verschachern wollte?

 

Mr. Proper und Mrs. Dirty

 

Vielleicht hatten Procter & Gamble aber auch etwas ganz anderes im Sinn. Narziss verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild, als er in den Teich blickte. Was würde – so fragten sich wohl die Waschpulver-Strategen – mit den Desperate Housewives der amerikanischen Vorstädte passieren, wenn sie sich im glänzenden Boden spiegelten? Würden sie sich das Polyester-Tuch von den Lockenwicklern reißen, Perlmuttlippenstift auf die leicht geöffneten Lippen auftragen, Strapse unter der hautengen Schürze hervorblitzen lassen und in Pompon-Heels, wenn der Postmann zweimal klingelt, zur Haustür staksen? Nicht unbedingt kompatibel mit dem sittenstrengen Puritanismus! Vermutlich würden sie eher so lange den Boden polieren, bis sie endlich ein klares Bild von sich selbst hätten und das Haus aufgrund von Selbstverliebtheit nie wieder verließen…

 

Reiz der Reinheit

 

Alle, die jetzt schon zitternd vor Freude einem Post über Sklavenhaltung und Freiheitsentzug entgegenfiebern, muss ich jedoch enttäuschen. Heute geht es um den Reiz der Reinheit. Der reine, unbefleckte Körper, alabastern und zart, ist ein sakrosankter Stimulus, so stark und verführerisch wie Weihrauch in einer spanischen Kapelle. Diaphane Leiber mit transparenter Haut, unter der bläuliche Äderchen schimmern, treiben nicht nur Männern den Schweiß aus den Poren. Sie sind wie ein weißes Blatt Papier, das beschrieben, eine Landkarte, die gelesen werden will. Derjenige, der sie entdeckt und beschreibt, verspürt die Macht eines Conquistador. Gesteigert werden kann dieses Gefühl nur noch durch den Akt des Tabula Rasa-Machens, der Reinigung. Wer sich dazu bereit erklärt, das geliebte Wesen von jeglichem Schmutz zu befreien und es penibel zu reinigen, befindet sich sowohl in einer dienenden als auch in einer dominanten Rolle. Er ist Kammerdiener, vor allem aber Herr über Leib und Seele. Erst wenn man sich seinem Anspruch an Hygiene und Körperertüchtigung unterwirft, verdient man Sex und Liebe. Das ist unerhört erregend, da Erniedrigung und Vorbereitung auf einen – hoffentlich – göttlichen Akt zu einem wunderbaren Amalgam verschmelzen.

 

Rosenpuder und Reitgerte

 

Die Präparation spielt auch hier wieder eine entscheidende Rolle: Gestärkte Leintücher, Körperpuder und Rosenwasser sollten bereits zu Beginn der Session einen Ehrenplatz auf einem Silbertablett einnehmen. Eine schmale, lederne Reitgerte darf natürlich nicht fehlen.

 

Und jetzt Augen zu, bitte!

 

Ich liege auf dem langen Holztisch, den du mit einem schwarzen Latexlaken bedeckt hast. Meine Augen verschließt ein dunkelblaues Samttuch. Während sich Jack Nicholson und eine Nacht, wie sie nicht blauer sein könnte, in mein Gedächtnis schleichen, tropfst du Rosenwasser in eine Porzellanschale. Du benetzt das Leintuch mit dem parfümierten Wasser und tupfst damit behutsam meine inneren Schamlippen ab. Das Tuch absorbiert meine Feuchtigkeit, legt eine Fährte über meine Vagina und kriecht durch die enge Rosette in meinen Anus. Nach vollbrachtem Werk trägst du Schale und Tuch in die Küche und näherst dich mir mit der ledernen Reitgerte. Bedacht umkreist du meine Brustwarzen und ziehst eine Spur zu meinen Schamlippen, die du mit leichten, kurzen Schlägen bestrafst, da sie unerlaubt nass und saftig sind. Erneut reibst du die Feuchtigkeit aus meiner Scham und tadelst mich für meine Lüsternheit. Feiner Puder rieselt auf mich herab und bedeckt meine frisch gereinigte Vagina mit einer duftenden zweiten Haut. Deine Nase nähert sich wölfisch meinen Schamlippen, eine lange, rotierende Zunge windet sich in meinen Scheideneingang, während deine Finger den cremigen Puder auf meinem Venushügel verreiben und der Daumen meinen Anus mit einer hauchzarten Schicht auskleidet.

 

Und Augen auf! Back to reality!

 

Es gibt ihn, diesen Wunderpuder! Der Körperpuder der englischen Edelmanufaktur Crabtree & Evelyn betört die Sinne und schmeichelt der Haut. Katharsis und himmlische Wonnen garantiert!

Die wölfische Zunge müsst ihr schon selbst aufspüren…

Get the Look: Rosewater Körperpuder/Crabtree & Evelyn

 

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