Nothing is Forever

Ein weißer Raum. Der erste Pinselstrich. Aus dem Nichts entsteht eine Grenzen sprengende Traumwelt, die in Semiramis hängende Gärten, florentinische Zaubergrotten und bukolische Szenerien entführt. Trompe l’oeil-Malerei ist der süße Zauber des Trugbildes, der die reale Wahrnehmung weitet und einen Raum für Phantasien und Sehnsuchtswelten schafft. Natürlich besteht die Gefahr, dass billige Kunstmaler die Küche in einen Hobby-Zoo mit grasgrünen Papageien und pinken Flamingos und das Schlafzimmer mit ausladenden Rubensfiguren und geflügelten Putti in eine eher abtörnende Oase der Sinnlichkeit verwandeln, aber wie es heißt es doch so schön? No risk, no fun! Auch die trashigste Version der Illusionsbilder, die Fototapete, verströmt manchmal den unwiderstehlichen Charme eines billigen Stundenhotels mit beschlagenen Spiegeln über dem Bett. Wen glitzernde Unterwasserwelten oder fantarote Sonnenuntergänge schließlich langweilen, der kann immer noch nach der Devise handeln: Ritsch, ratsch! Tapete ab! Oder ganz einfach Paint it Black!

Vipern auf dem Venushügel

Genau so ergeht es mir beim Anblick von Tattoos. Neiderfüllt bestaune ich züngelnde Vipern auf schneeweißen Hüften, Rosenranken entlang der Wirbelsäule oder die durcheinanderwirbelnden Buchstaben auf dem blauen Oberschenkel eines Kink-Darstellers. Ich sehe mich im dunklen, nach Bier und Van Nelle Halfzware stinkenden Tattoo-Studio eines bärtigen, fettleibigen Tätowierers, der mir eine Nadel in die alabasterfarbene Haut sticht und petrolfarbene Tinte unter die Epidermis spritzt. Fleur du Mal steht nun auf meinem Venushügel oder doch lieber Tempus fugit, Amor manet. Aber bleibt sie wirklich die Liebe? Exit! Ein neuer Versuch! Wegradieren! Geht nicht? Fuck! Die Illusion ist manchmal doch reizvoller als die ewigwährende, krude Wirklichkeit. Tabula rasa auf Schneewittchenhaut? Auf diese Art von Schmerz kann ich verzichten!

Sweet Surrender

Dieu merci gibt es die Dessous von Tatucouture! Luisa Sidoli kreiert Dessous, die ephemere Welten und Sinnsprüche auf Körper zaubern, die dem Anspruch auf Ewigkeit widerstehen wollen. Inspiriert von Body-Art bedruckt sie feinstes hautfarbenes Netzgewebe mit weit ausgreifenden Schwingen und Blütenranken, die sich flugs wieder vom Körper streifen lassen. Und was ist koketter bei einem ersten Date als ein Slip mit der Tattoo-Inschrift „Nothing is forever“? Sollte dann doch mehr daraus werden, darf er gerne durch „Sweet Surrender“ ersetzt werden.

Get the Look: Tatu Couture

Pin on PinterestShare on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Rubriken

Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*